{"id":19464,"date":"2026-06-23T12:25:05","date_gmt":"2026-06-23T12:25:05","guid":{"rendered":"https:\/\/mejo.de\/?p=19464"},"modified":"2026-06-23T12:27:40","modified_gmt":"2026-06-23T12:27:40","slug":"chefmeinung-der-friedensirrtum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mejo.de\/en\/aktuelles\/chefmeinung-der-friedensirrtum\/","title":{"rendered":"#chefmeinung: Der Friedensirrtum"},"content":{"rendered":"<h2 class=\"wp-block-heading\">Warum die LME f\u00e4llt \u2013 die Strangpressbolzen aus EN AW-6063 aber so schnell nicht zur\u00fcckkommen<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Markt riecht Frieden, und Donald Trump m\u00f6chte sich feiern. Die LME ist von ihrem Vierjahreshoch auf unter 3.400 USD gefallen, in Genf wird ein Rahmenabkommen unterschrieben, die Reeder rechnen damit, ihre Frachter aus der Stra\u00dfe von Hormus wieder freizubekommen \u2013 und \u00fcberall h\u00f6rt man dasselbe erleichterte Ausatmen: <\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eSuper. Jetzt wird alles wie vorher und die Preise sind wieder normal. B\u00f6se Werke!<\/strong>\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Von wegen \u2013 das ist ein Irrtum. Nicht weil es bequem klingt und die b\u00f6sen Werke zu teuer gekauft haben, sondern weil es eben nicht stimmt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer aus der fallenden LME ableitet, dass die EN-AW-6063-Bolzen morgen wieder flie\u00dfen wie 2024, der verwechselt einen Vertrag mit physischem Metall. Die LME handelt eine Erwartung. Der Strangpressbolzen ist ein St\u00fcck Aluminium, das eine Gie\u00dferei verlassen muss, das Energie braucht, das Tonerde frisst \u2013 und das alles passiert nicht in Genf bei Cola, Champagner und Burgern, sondern in einer Handvoll Werke rund um eine 33 Kilometer schmale Wasserstra\u00dfe.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Acht Werke, eine Engstelle<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Schauen Sie auf die Karte. Acht Prim\u00e4ralu-Smelter dr\u00e4ngen sich um die Stra\u00dfe von Hormus. Blau die \u201egute\u201c arabische Seite, rot die \u201eb\u00f6se\u201c Iran-Seite. Warum b\u00f6se? Weil die EU eben aus dem Iran nichts kaufen darf.&nbsp; So einfach ist das: Blau ist gut, Rot ist tabu.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr <strong>unsere<\/strong> Welt \u2013Strangpressbolzen aus EN AW-6063 \u2013 z\u00e4hlt somit nur die blaue Seite:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>ALBA, <strong>Bahrain<\/strong> (1)<\/li>\n\n\n\n<li>Ma&#8217;aden, <strong>Saudi-Arabien<\/strong> (2)<\/li>\n\n\n\n<li>Qatalum, <strong>Katar<\/strong> (3)<\/li>\n\n\n\n<li>EGA Jebel Ali, <strong>Dubai<\/strong> (4)<\/li>\n\n\n\n<li>EGA Al Taweelah, <strong>Abu Dhabi<\/strong> (5)<\/li>\n\n\n\n<li>Sohar, <strong>Oman<\/strong> (6)<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<iframe \n  src=\"https:\/\/mejo.de\/wp-content\/uploads\/2026\/hormus_interaktiv_2.html\"\n  width=\"100%\" \n  height=\"550\" \n  style=\"border:none; border-radius:6px;\"\n  loading=\"lazy\"\n  title=\"Aluminium-Smelter um die Stra\u00dfe von Hormus\">\n<\/iframe>\n\n\n\n<p>Das ist das R\u00fcckgrat der Strangpressindustrie Europas. Diese Smelter sind die, deren billiger Gas-Strom \u00fcber Jahre die EN-AW-6063-Bolzen so wettbewerbsf\u00e4hig gemacht hat, dass halb Europa sie eingekauft hat. Die rote iranische Seite (7 und 8) spielt f\u00fcr unsere Versorgung praktisch keine Rolle \u2013 sanktioniert, abgeschnitten, kein Thema f\u00fcr einen EU-Strangpresser.<\/p>\n\n\n\n<p>Die ganze Golfregion macht rund acht bis neun Prozent der weltweiten Prim\u00e4raluminium-Produktion aus und der L\u00f6wenanteil davon ging bisher durch Hormus nach drau\u00dfen. Acht bis neun Prozent klingen nach wenig. Das ist es nicht \u2013 nicht, wenn vier dieser sechs Werke gleichzeitig humpeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Sohar ist kein Ersatz. Sohar ist ein Hafen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der erste Reflex in der Branche: \u201eDann nehmen wir eben Sohar, das liegt doch au\u00dferhalb von Hormus, am Golf von Oman.\u201c Richtig \u2013 und trotzdem ein Denkfehler.<\/p>\n\n\n\n<p>Sohar ist klein. Und Sohar liefert grob sechzig Prozent seiner Produktion an die heimische omanische Weiterverarbeitung. Was \u00fcbrig bleibt, reicht nicht ansatzweise, um EGA, Qatalum und Alba zu ersetzen. Das w\u00e4re, als wollte man einen ausgefallenen Hochofen mit einer gut sortierten Schlosserei vergleichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der eigentliche Wert von Sohar in dieser Krise ist nicht der Smelter, sondern der Hafen. \u00dcber Sohar (und Fujairah und Duqm) wird jetzt Tonerde hereingeschleust und Fertigmetall per Lkw hinausgekarrt \u2013 an Hormus vorbei. Wer Sohar als Bolzen-Quelle verkauft, verwechselt den Notausgang mit dem Wohnzimmer.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Punkt, an dem es bei den meisten klingelt: keine Tonerde rein, keine Bolzen raus<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Und jetzt kommt der Teil, den die LME-Optimisten gern \u00fcberspringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Smelter ist keine Fabrik, die man mit einem Handschlag in Genf einschaltet. F\u00fcr jede Tonne Aluminium braucht ein Smelter rund zwei Tonnen Tonerde (Alumina) als Sch\u00fcttgut, das per Bulker \u00fcber See kommt. Keine Gie\u00dferei der Welt produziert auch nur ein Kilo Bolzen ohne diesen dauernden Fluss an Nachschub.<\/p>\n\n\n\n<p>Und genau hier ist der Knoten. Egal, wie gut Trump argumentiert, und&nbsp;egal, was man vom Papier, das in der Schweiz unterschrieben wurde, halten mag:&nbsp;Kein Reeder ist so dumm, jetzt einen gro\u00dfen Bulker voller Alumina in die Stra\u00dfe von Hormus hineinzuschicken. Alle sind heilfroh, ihre teuren Frachter \u00fcberhaupt erst einmal wieder herauszubekommen. Wer da freiwillig wieder hineinf\u00e4hrt, riskiert sein Schiff, seine Crew und seine Versicherungspr\u00e4mie \u2013 f\u00fcr eine Ladung Tonerde. Wer soll das machen?<\/p>\n\n\n\n<p>Was stattdessen passiert, ist Behelf: Tonerde in S\u00e4cken, angelandet au\u00dferhalb der Stra\u00dfe, dann auf den LKW und \u00fcber die W\u00fcste zu den Smeltern gefahren. Das funktioniert. Aber es ist teuer, es ist langsam, und es ist gedrosselt. Die seew\u00e4rtigen Tonerde-Importe in den Golf lagen zuletzt noch unter dem F\u00fcnfjahresschnitt. Wieviel passt auf einen LKW und wieviel auf einen Frachter?&nbsp;<br>Sehr Ihr selber, oder?<\/p>\n\n\n\n<p>Und das ist die Logik: Kommt keine Tonerde rein, kommen keine Bolzen raus.<\/p>\n\n\n\n<p>Punkt aus fertig! Ist so, war so und bleibt so!&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ein unterschriebenes Friedenspapier f\u00fcllt keinen Tonerde-Silo.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Werke selbst sind teilweise&nbsp;zerst\u00f6rt, gedrosselt und haben zweimal h\u00f6here Gewalt verursacht. Als ob der Nachschub allein nicht reichte, stehen die Gie\u00dfereien nun selbst blank da:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>EGA Al Taweelah<\/strong> hat durch den Angriff erheblichen Schaden genommen. EGA selbst rechnet damit, dass die vollst\u00e4ndige Wiederherstellung der Prim\u00e4rproduktion bis zu zw\u00f6lf Monate dauern kann. Mit besch\u00e4digt: die werkseigene Tonerde-Raffinerie, die fast die H\u00e4lfte des eigenen Tonerdebedarfs deckte.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Alba<\/strong> lief nach dem Treffer zeitweise auf rund 30 Prozent.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Qatalum<\/strong> fuhr wegen Gasmangels einen kontrollierten Shutdown und h\u00e4lt sich seither bei etwa sechzig Prozent \u00fcber Wasser.<\/li>\n\n\n\n<li>Und <strong>Hydro<\/strong> hat innerhalb von drei Monaten zweimal Force Majeure erkl\u00e4rt: erst wegen des Gasmangels bei <strong>Qatalum<\/strong>, dann ein zweites Mal, nachdem Qatalum die Vermarktungsvereinbarung gek\u00fcndigt hat.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Wenn ein Konzern wie Hydro zweimal in einem Quartal h\u00f6here Gewalt erkl\u00e4rt, ist das kein vorbeilaufendes, leichtes \u201eGewitterken\u201c. Das ist ein Konzern, der auf wenigen Linien l\u00e4uft, mit besch\u00e4digter Infrastruktur, knappem Strom und gerissenen Lieferketten. So etwas f\u00e4hrt man nicht mit einem Knopfdruck wieder hoch. Reduktionszellen, die einmal kalt sind, sind ein monatelanges Projekt \u2013 kein Wochenende.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die LME darf und wird fallen bei Frieden, aber der Bolzen folgt nicht im Gleichschritt.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Verstehen Sie mich richtig: Ja, die LME f\u00e4llt. Und sie hat gute Gr\u00fcnde daf\u00fcr. Im Papiermarkt schl\u00e4gt im Moment die Rezessionsangst die Knappheit: die Nachfrage ist schwach, also gibt der Preis nach. Das ist v\u00f6llig rational und soweit normal.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber die LME ist die Standard-Massel. Der Strangpressbolzen aus EN AW-6063 ist etwas anderes: ein physisches Produkt aus einer Gie\u00dferei, mit einer eigenen Pr\u00e4mie, gebunden an genau die Werke, die gerade besch\u00e4digt, gedrosselt oder vom Nachschub abgeschnitten sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Deshalb mein klares Wort an alle, die jetzt auf die alten Preise warten: Der Bolzenpreis wird leicht fallen \u2013 aber nicht wie die LME, und nicht zur\u00fcck auf das Niveau von vorher und schon gar nicht heute oder morgen. Wer den Frieden in Genf eins zu eins in fallende Bolzenpreise umrechnet, rechnet sich reich. Sorry \u2013 das wird nichts.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was das f\u00fcr Sie und uns hei\u00dft:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wer heute Bolzen braucht, braucht zwei Dinge: einen Lieferanten, der nicht erst beim Smelter anfragen muss, ob \u00fcberhaupt produziert wird und einen, der ehrlich genug ist, den Friedensirrtum nicht mitzumachen. Wir bei mejo haben unsere Position bewusst gef\u00fcllt, als andere noch auf die schnelle Entspannung gewettet haben. Lieferf\u00e4higkeit ist in genau solchen Phasen kein Marketingwort, sondern der Unterschied zwischen \u201ekann ich morgen pressen&#8220; und \u201emuss ich die Linie anhalten&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>Die LME f\u00e4llt. Juchhuuu. Toll. Die Bolzen kommen wieder. Auch sch\u00f6n. Aber sie kommen langsamer, teurer und in geringerer Menge, als der Friedensoptimismus und Donald uns gerade weismachen wollen. Und jetzt kommt bestimmt wieder einer und sagt was \u00fcber Bolzen aus Russland. Ja klar, die gibt es auch. Aber wissen Sie was? Der Russe ist auch nicht bl\u00f6d. Wenn einer aus der EU kommt und beim b\u00f6sen, b\u00f6sen und ganz besonders b\u00f6sen Russen anklopft, dann freut der sich nicht nur aus N\u00e4chstenliebe.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Bleiben Sie n\u00fcchtern. Wir tun es auch.<\/strong><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warum die LME f\u00e4llt \u2013 die Strangpressbolzen aus EN AW-6063 aber so schnell nicht zur\u00fcckkommen<\/p>","protected":false},"author":3,"featured_media":19473,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[115,1,49],"tags":[88,86,98,87,95],"class_list":["post-19464","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-dlde","category-news","category-unternehmen","tag-aktuelles","tag-blog","tag-de","tag-news","tag-unternehmen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/mejo.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19464","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/mejo.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/mejo.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/mejo.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/mejo.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=19464"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/mejo.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19464\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":19474,"href":"https:\/\/mejo.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19464\/revisions\/19474"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/mejo.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/19473"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/mejo.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=19464"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/mejo.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=19464"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/mejo.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=19464"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}