{"id":15808,"date":"2025-09-22T13:26:27","date_gmt":"2025-09-22T13:26:27","guid":{"rendered":"https:\/\/mejo.de\/?p=15808"},"modified":"2025-12-03T13:25:16","modified_gmt":"2025-12-03T13:25:16","slug":"cbam-2026-gut-gemeint-schlecht-gemacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mejo.de\/en\/aktuelles\/cbam-2026-gut-gemeint-schlecht-gemacht\/","title":{"rendered":"CBAM 2026: Gut gemeint \u2013 schlecht gemacht?"},"content":{"rendered":"<h2 class=\"wp-block-heading\">Warum Europas Aluminiumindustrie unter Druck ger\u00e4t<\/h2>\n\n\n\n<p>Aluminium ist ein Schl\u00fcsselwerkstoff f\u00fcr die Zukunft: leicht, stabil und unverzichtbar f\u00fcr Energiewende, E-Mobilit\u00e4t und modernen Leichtbau. Europa produziert dabei vergleichsweise CO\u2082-arm \u2013 etwa durch <a href=\"https:\/\/mejo.de\/en\/service\/services\/recycling\/\" data-type=\"page\" data-id=\"2406\">Recycling<\/a> oder Strom aus erneuerbaren Energien. Eigentlich ein Vorteil.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch mit dem Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) will die EU ab 2026 Importe zus\u00e4tzlich belasten, die mit hohem CO\u2082-Aussto\u00df hergestellt wurden. Die Idee: Klimaschutz und fairer Wettbewerb. Die Realit\u00e4t: CBAM k\u00f6nnte Europas Aluminiumindustrie schw\u00e4chen, statt sie zu sch\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><a><\/a>Das Problem mit der LME: Alle Alu-Typen sind gleich viel wert<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Preise f\u00fcr Aluminium werden weltweit an der <strong><a href=\"https:\/\/www.lme.com\/en\/Metals\/Non-ferrous\/LME-Aluminium#Trading+summary\" target=\"_blank\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.lme.com\/en\/Metals\/Non-ferrous\/LME-Aluminium#Trading+summary\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">London Metal Exchange (LME)<\/a><\/strong> festgelegt. Dort gilt das Prinzip: \u201eCheapest to Deliver\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Das bedeutet:<\/p>\n\n\n\n<p>Verk\u00e4ufer liefern stets das billigste Aluminium, das die LME-Mindeststandards erf\u00fcllt.<br>Ob es mit Kohleenergie in China oder mit Wasserkraft in Norwegen produziert wurde \u2013 im Preis macht das keinen Unterschied.<br>Saubere Produktion wird nicht belohnt.<\/p>\n\n\n\n<p>Europ\u00e4ische Produzenten stehen doppelt unter Druck:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Sie investieren in CO\u2082-arme Produktion (Recycling, erneuerbare Energien, Effizienzma\u00dfnahmen).<\/li>\n\n\n\n<li>Gleichzeitig k\u00f6nnen sie ihre Mehrkosten nicht am Markt durchsetzen, weil die LME-Benchmark kein \u201egr\u00fcnes Signal\u201c gibt.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Solange die LME-Preisbildung nicht zwischen sauberem und schmutzigem Aluminium unterscheidet, bleibt der Wettbewerb verzerrt \u2013 und genau hier verst\u00e4rkt CBAM die Schieflage, statt sie zu beheben.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><a><\/a>DP Premium + CBAM = doppelte Belastung<\/h2>\n\n\n\n<p>Aluminium ist in Europa schon heute teurer als auf dem Weltmarkt. Grund daf\u00fcr ist die sogenannte Duty-Paid Premium (DP Premium) \u2013 ein Aufpreis, der sich aus Transportkosten nach Europa und dem EU-Importzoll von 3 % zusammensetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ab 2026 kommt mit dem CBAM eine weitere Belastung hinzu:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Importiertes Aluminium wird zus\u00e4tzlich verteuert, weil k\u00fcnftig die CO\u2082-Emissionen der Produktion eingepreist werden.<\/li>\n\n\n\n<li>Gleichzeitig zieht der gesamte Marktpreis an \u2013 auch f\u00fcr europ\u00e4ische Hersteller, die eigentlich klimafreundlicher produzieren.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Das Ergebnis: Aluminium in Europa verliert weiter an Attraktivit\u00e4t. Die Industrie zahlt mehr, die Verbraucher zahlen mehr \u2013 doch die Umwelt profitiert davon kaum.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Cheapest to Deliver &amp; Auswirkungen auf CBAM<\/h2>\n\n\n\n<p>Das sogenannte \u201eCheapest to Deliver\u201c-Prinzip betrifft alle Lagerh\u00e4user der LME weltweit. Der Verk\u00e4ufer kann z.B. sein Aluminium nach Kuala Lumpur liefern und damit seinen Vertrag erf\u00fcllen, auch wenn es f\u00fcr Europa gekauft wurde. Die DP Premium funktioniert dabei \u00e4hnlich wie das \u201eMerit-Order\u201c-Prinzip im Energiemarkt: Immer der teuerste Preis wird verrechnet, inklusive Fracht vom am weitesten entfernten Lagerhaus. Damit entstehen zus\u00e4tzliche Kosten f\u00fcr europ\u00e4ische K\u00e4ufer, unabh\u00e4ngig davon, wo das Aluminium urspr\u00fcnglich produziert wurde.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><a><\/a>Schlupfl\u00f6cher untergraben das System<\/h2>\n\n\n\n<p>Damit CBAM funktioniert, m\u00fcsste der CO\u2082-Fu\u00dfabdruck jedes Produkts genau erfasst werden. Doch hier liegen die gr\u00f6\u00dften Schw\u00e4chen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Falsche Deklaration:<\/strong> Prim\u00e4raluminium wird als Recycling-Aluminium ausgegeben \u2013 sieht sauber aus, ist es aber nicht.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Herkunft verschleiern:<\/strong> Exporte \u00fcber Drittl\u00e4nder verschleiern, wo das Aluminium wirklich produziert wurde.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Nur Mindeststandards an der LME:<\/strong> Klimabilanz spielt dort keine Rolle \u2013 CO\u2082-intensives Metall mischt sich problemlos in den Markt.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Unklare Berechnungen:<\/strong> Unterschiedliche Methoden weltweit machen Vergleich und Kontrolle fast unm\u00f6glich.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Schlupfl\u00f6cher belohnen die Falschen. Europas ehrliche Produzenten zahlen, w\u00e4hrend schwarze Schafe profitieren.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><a><\/a>Die Hauptkritikpunkte am CBAM<\/h2>\n\n\n\n<p>Das <a href=\"https:\/\/www.aluminium-journal.de\/cbam-dekarbonisierung-durch-deindustrialisierung?utm_source=Newsletter&amp;utm_medium=email&amp;utm_content=Diskussionspapier&amp;utm_campaign=NL_ALU-de_2025-09-11\" target=\"_blank\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.aluminium-journal.de\/cbam-dekarbonisierung-durch-deindustrialisierung?utm_source=Newsletter&amp;utm_medium=email&amp;utm_content=Diskussionspapier&amp;utm_campaign=NL_ALU-de_2025-09-11\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Aluminium Journal<\/a> hat die Nachteile treffend zusammengefasst:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Wettbewerbsnachteile f\u00fcr Europa <\/strong>\u2013 hohe Kosten, kein Bonus f\u00fcr saubere Produktion.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>H\u00f6here Preise f\u00fcr Verbraucher<\/strong> \u2013 Aluminiumprodukte wie Autos, Fenster oder Verpackungen werden teurer.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Schlupfl\u00f6cher und Kontrolldefizite<\/strong> \u2013 CO\u2082-intensive Importe k\u00f6nnen getarnt weiter in die EU gelangen.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Gefahr der Deindustrialisierung<\/strong> \u2013 wenn Betriebe abwandern, verliert Europa Arbeitspl\u00e4tze und Wertsch\u00f6pfung, w\u00e4hrend weltweit wom\u00f6glich mehr CO\u2082 entsteht.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit: Klimaschutz ja \u2013 aber fair und wirksam<\/h2>\n\n\n\n<p>CBAM ist ein politisch gut gemeinter Ansatz: Er soll verhindern, dass CO\u2082-intensive Importe die Klimaziele der EU unterlaufen. In der Praxis droht jedoch das Gegenteil: Dekarbonisierung durch Deindustrialisierung.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Risiko im \u00dcberblick:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Europa verliert Industrie und Wettbewerbsf\u00e4higkeit.<\/li>\n\n\n\n<li>Verbraucher zahlen h\u00f6here Preise. Alles, was Aluminium enth\u00e4lt \u2013 Autos, Fensterrahmen, Verpackungen \u2013 wird teurer.<\/li>\n\n\n\n<li>Die Umwelt profitiert nicht \u2013 im schlimmsten Fall verschlechtert sich die CO\u2082-Bilanz sogar.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text is-stacked-on-mobile\" style=\"grid-template-columns:34% auto\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/mejo.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/mejo-unternehmen-cbam-lager-2025-aktuelles-1024x1024.webp\" alt=\"Ein Mann steht vor einem Gabelstapler im mejo Lager\" class=\"wp-image-15811 size-full\" srcset=\"https:\/\/mejo.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/mejo-unternehmen-cbam-lager-2025-aktuelles-1024x1024.webp 1024w, https:\/\/mejo.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/mejo-unternehmen-cbam-lager-2025-aktuelles-600x600.webp 600w, https:\/\/mejo.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/mejo-unternehmen-cbam-lager-2025-aktuelles-300x300.webp 300w, https:\/\/mejo.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/mejo-unternehmen-cbam-lager-2025-aktuelles-768x768.webp 768w, https:\/\/mejo.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/mejo-unternehmen-cbam-lager-2025-aktuelles-12x12.webp 12w, https:\/\/mejo.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/mejo-unternehmen-cbam-lager-2025-aktuelles.webp 1080w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p>Damit CBAM wirklich zum Instrument f\u00fcr Klimaschutz und fairen Wettbewerb wird, braucht es Nachbesserungen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Schlie\u00dfen von Schlupfl\u00f6chern \u2013 um zu verhindern, dass falsche Deklarationen und Umwege \u00fcber Drittl\u00e4nder die Regelungen ins Leere laufen lassen.<\/li>\n\n\n\n<li>Transparente und vergleichbare CO\u2082-Daten \u2013 nur so l\u00e4sst sich sauber produziertes Aluminium von \u201eschmutzigem\u201c unterscheiden.<\/li>\n\n\n\n<li>Ein Markt, der gr\u00fcnes Aluminium belohnt \u2013 z. B. durch Aufpreise oder Zertifizierungssysteme, die CO\u2082-arme Produktion sichtbar machen.<\/li>\n\n\n\n<li>Faire Wettbewerbsbedingungen f\u00fcr europ\u00e4ische Hersteller \u2013 damit Investitionen in Recycling, erneuerbare Energien und Effizienzma\u00dfnahmen nicht zum Nachteil werden.<\/li>\n<\/ul>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Kurz gesagt:<\/strong> CBAM kann ein wichtiges Werkzeug sein \u2013 aber nur, wenn es den Klimaschutz real st\u00e4rkt, statt ihn zu b\u00fcrokratisieren und zu verteuern.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">CBAM und mejo<\/h2>\n\n\n\n<p>Wir nehmen unseren Kund:innen den kommenden Stress ab.\u00a0Unsere Aluminiumprofile, Verbundplatten und das gesamte Zubeh\u00f6r sind CBAM-ready und bedeuten f\u00fcr unsere Kund:innen keinen zus\u00e4tzlichen CBAM-Aufwand.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warum Europas Aluminiumindustrie unter Druck ger\u00e4t<\/p>","protected":false},"author":3,"featured_media":15810,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,51,49],"tags":[88,86,43,98,73,72],"class_list":["post-15808","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-news","category-no-name-konstruktion","category-unternehmen","tag-aktuelles","tag-blog","tag-cbam","tag-de","tag-maschinenbauprofile","tag-nnk"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/mejo.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15808","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/mejo.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/mejo.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/mejo.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/mejo.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=15808"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/mejo.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15808\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/mejo.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/15810"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/mejo.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=15808"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/mejo.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=15808"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/mejo.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=15808"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}